Welche Aufgaben übernimmt die Diätologie im Alltag?
Die Diätologie begleitet alle Patient:innen während ihres Aufenthalts im Klinikum Malcherhof Baden. Mit jeder Person stehen wir mindestens dreimal in Kontakt. Zu Beginn klären wir in einem persönlichen Gespräch die individuellen Ernährungsbedürfnisse und legen die passende Kostform fest. Zusätzlich nehmen alle Patient:innen an zwei Ernährungsvorträgen teil. Bei Bedarf bieten wir weitere Einzelberatungen, spezifische Vorträge oder BIA Messungen* an. Ein weiterer wichtiger Bestandteil unserer Arbeit ist das Verpflegungsmanagement. Dieses umfasst alle Diäten und Sonderkostformen. Zudem sind wir interdisziplinär gut eingebunden, nehmen an Besprechungen teil und erarbeiten in verschiedenen Fokusgruppen gemeinsame Prozesse.
Wie arbeitet die Diätologie mit der Küche zusammen?
Die Zusammenarbeit mit der Küche ist sehr eng. Sonderdiäten werden täglich abgestimmt. Einmal pro Woche gibt es einen fixen Austausch zu Speiseplänen, neuen Rezepten und zum Feedback der Patient:innen. Auch im Alltag stehen wir in regelmäßigem Kontakt, etwa bei individuellen Rückfragen. Zusätzlich schult die Diätologie das Küchenteam, um das Verständnis für besondere Ernährungsbedürfnisse zu vertiefen. Ziel ist immer gutes Essen, das schmeckt und gleichzeitig gesundheitlich sinnvoll ist.
Gibt es im Klinikum Malcherhof auch rein vegetarische Tage?
Ja, bei uns wird auch bewusst auf eine fleischfreie Speisenplanung geachtet. Täglich stehen vegetarische Gerichte zur Auswahl. In den meisten Wochen gibt es zudem einen Tag, an dem ausschließlich vegetarische Speisen angeboten werden, gelegentlich ergänzt durch eine Option mit Fisch. Die Auswahl umfasst abwechslungsreiche und ausgewogene Gerichte, die von den Patient:innen und Kolleg:innen sehr gut angenommen werden. Viele schätzen die Vielfalt und nehmen die fleischfreien Speisen als genussvolle Alternative wahr.
Welche Rolle spielen saisonale und regionale Lebensmittel aus diätologischer Sicht?
Saisonale und regionale Lebensmittel sind für uns sehr wichtig. Sie tragen zur Qualität der Speisen bei und haben oft einen höheren ernährungsphysiologischen Wert. Regionale Produkte bedeuten außerdem kürzere Transportwege, weniger Umweltbelastung und die Unterstützung der heimischen Landwirtschaft. Auch die Patient:innen schätzen es sehr, während ihres Aufenthalts saisonal zu essen. Einige nehmen diese Impulse auch mit nach Hause.
Wie setzen Diätologie und Küche Nachhaltigkeit gemeinsam um?
Die Diätologie bringt das Fachwissen ein, die Küche setzt es kreativ und genussvoll um. Beides erfordert eine enge Zusammenarbeit. Nachhaltigkeit bedeutet für uns auch, Lebensmittelverschwendung zu vermeiden. Vier Portionsgrößen helfen dabei, Abfälle zu reduzieren. Zusätzlich entwickelt die Küche laufend Ideen zur sinnvollen Verwertung von Lebensmitteln. Eine gute Versorgung mit saisonalen Lebensmitteln aus der Region ist für eine Großküche jedoch nicht immer einfach. Oft sind Obst- und Gemüsesorten außerhalb der Saison besser verfügbar und günstiger als regionale Alternativen. Beispielsweise sind Orangen im Sommer leichter in gleichbleibender Qualität zu erhalten als Marillen aus Österreich. Umso wichtiger sind klare Absprachen und eine gute Kommunikation zwischen Küche und Diätologie.
Danke für das Interview!
* BIA = Eine Bioelektrische Impedanzanalyse ermöglicht, die Zusammensetzung des Körpers zu messen (Muskel-, Fettmasse, Wasseranteil intra- und extrazellulär).